Drama in 60 Akten – Torwart in der Hauptrolle

(nsc) Nach vier Wochen Pause, in denen mehr Bier getrunken als Pässe gespielt wurden, war es am Sonntag endlich wieder soweit: Die Dritte des HSV Haldensleben betrat die heimische Platte. Gegner war kein Geringerer als Chemie Genthin – bekannt für stabile Abwehr, solides Angriffsspiel und die beneidenswerte Fähigkeit, im Schnitt 20 Jahre Altersunterschied auf dem Feld zu kompensieren. Kurz: ein unangenehmer Gegner, den man eigentlich nur mag, wenn man selbst nicht gegen ihn spielt.

Vor dem Spiel: Eine Mischung aus Hoffnung und Muskelkater

Die Ausgangslage war klar: Trainingsrückstand, null Erfolg aus den letzten Spielen, aber ein klares Ziel – Heimsieg! Und das mit Struktur, Disziplin, ruhigem Aufbau und bitte, bitte keine technischen Fehler. Oder wie Trainer Schünemann es formulierte: „Lasst uns heute mal nicht den Ball verlieren, bevor wir ihn überhaupt haben.“

Erste Halbzeit: Von Routine, Ruhe und Reaktion

Die erfahrene Garde durfte ran – Witt, Deutschmann, Krüger, Wurzel, Jagla, Trültzsch und Lüer. Eine Aufstellung, bei der man wusste: Da steht Erfahrung, Cleverness und mindestens einer, der sein Trikot falschrum anzieht. Und siehe da – es funktionierte! Ein strukturierter Start, geduldige Angriffe, Abwehr stabil, Trainer lächelt (seltene Naturerscheinung). Der HSV spielte tatsächlich das, was auf dem Papier stand: Handball. Chemie Genthin hielt dagegen, besonders über die rechte Außenbahn, wo ihre Flügelzange fast schon an Bundesliga erinnerte – nur ohne Gehalt. Bis zur 28. Minute war alles im Lot, dann eine Zeitstrafe für Haldensleben und zack, Genthin nutzte die Gelegenheit eiskalt zur 15:16-Pausenführung. Halbzeit, aber keiner war wirklich unzufrieden.

Kabinenpredigt – vom Trainer zum Motivationsredner – Schünemann zeigte sich fast philosophisch: „Männer, ich bin zufrieden!“ – Ein Satz, den die Spieler sonst nur aus ihren Träumen kennen. Kleine Korrekturen hier, ein bisschen Mut da – und weiter ging’s mit der Mission: endlich mal 60 Minuten wach bleiben.

Zweite Halbzeit: Das Torwartmärchen beginnt

Die ersten 15 Minuten? Ein Duell auf Augenhöhe. Tore hüben wie drüben, keiner konnte sich absetzen. Doch dann: das alte Lied vom Pech. Pfosten, Fehlpässe, und ein Siebenmeter, der eher als Pass an die Hallenwand gezählt werden muss. Genthin führte mit 21:23 – die HSV-Fans sahen schon die Felle davonschwimmen.

Doch dann kam er. Der Mann mit den Reflexen eines Panthers und der Ruhe eines Zen-Mönchs: Lars Michl. Während andere noch versuchten, das Tor zu treffen, rettete er die Mannschaft mit Paraden, die selbst die Zeitlupenkamera überforderte. Würfe aus nächster Nähe? Kein Problem. Tempogegenstoß? Nicht mit Michl. Er hielt, als ginge es um einen Platz im Marvel-Universum. Angestachelt von ihrem Hexer zwischen den Pfosten, drehte die Mannschaft auf. Wurzel und Dannehl zündeten die Zweite-Reihe-Raketen – 28:24! Die Halle bebte. Zumindest die drei Fans, die noch ihre Stimme hatten.

Doch wer die Dritte kennt, weiß: Spannung ist Pflicht. In den letzten Minuten kam, was kommen musste: Hektik. Fehlpässe, vergebene Chancen, Nervosität. Genthin nutzte das eiskalt und führte plötzlich 28:29. Schünemann zog die Reißleine – Auszeit. „Ruhig bleiben!“, rief er, während auf dem Feld keiner so richtig wusste, was Ruhe eigentlich bedeutet. Es wurde nochmal wild, es wurde emotional, und am Ende stand ein 30:30, dass sich wie ein halber Sieg anfühlte.

Fazit: Unentschieden mit Applausgarantie – ein Punkt, der sich fast wie zwei anfühlt. Das beste Saisonspiel, eine Mannschaftsleistung, die Mut macht – und ein Torhüter, der das Wort Mauer neu definiert hat. Lars Michl – der Mann, der Bälle fängt, bevor sie wissen, dass sie fliegen. Wenn der HSV Haldensleben III diesen Spirit beibehält, dann darf man gespannt sein, wer sie als Nächstes aufhält. Vielleicht nur noch die Hallenzeit.

Endstand: 30:30 – Ein Spielbericht voller Stolz, Schweiß und einem Torwart, der Legendenstatus verdient hat.

#EinTEAM #BatterieFEUER!!

3.Männer: Tor: Witt, Michl, Feld: Deutschmann (2), Krüger (1), Dannehl (3), Möritz (4), Wurzel (7), Höchel, Gutsch (1), Schmidt, Vester (1), Lüer (2), Radke (1), Jagla, Trültzsch (8)

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