Zwei Legenden im Spiel gegen Tangerhütte

(nsc) Am vergangenen Samstag stand das große Finale einer langen, schweißtreibenden und gelegentlich auch taktisch diskutablen Saison an: das letzte Saisonspiel der dritten Herrenmannschaft des HSV Haldensleben. Zu Gast war Germania Tangerhütte – ein Gegner, der sich vermutlich schon beim Aufwärmen fragte, warum die Eintrittspreise plötzlich um drei Euro gestiegen waren. Die Antwort darauf lief später in Form von zwei lebenden Legenden über das Parkett. Doch der Reihe nach.

Kurz vor Spielbeginn die erste Hiobsbotschaft: Kapitän Schulze fiel aus. Allerdings nicht komplett – er verlagerte seine Stärken kurzerhand vom Spielfeld an den Versorgungsstand und kümmerte sich dort in gewohnt souveräner Manier um das leibliche Wohl der Zuschauer. Währenddessen musste Coach Schünemann, wie so oft in dieser Saison, tief in die Trickkiste greifen. Heraus kamen einige motivierte A-Jugendliche sowie – man glaubt es kaum – die Legenden Schufft und Hentrich. Letzterer hatte am Vorabend noch sportliche Höchstleistungen vollbracht und für die Alten Herren von Grün-Weiss Dahlenwarsleben eine entscheidende Führung per Kopf erzielt. Regeneration scheint für ihn ein theoretisches Konzept zu sein.

Mit stolzen 15 Spielern im Kader – eine Seltenheit, die vermutlich selbst den Spielberichtsbogen überraschte – ging es los. Zunächst durften die jungen Wilden ran, und die legten gleich los wie die Feuerwehr: 3:0-Führung, ehe Tangerhütte erstmals ein Lebenszeichen sendete. Besonders Tik-Tok-Tayo und Gummibein-Weber zeigten, dass Kreativität im Abschluss keine Altersgrenze kennt. Im Tor stand die lebende Emotion Weingart, der nicht nur Bälle hielt, sondern auch gefühlt die Moral der gesamten Halle stabilisierte. Dann kam die 17. Minute. Spielstand 10:4. Zeit für den großen Auftritt. Coach Schünemann wechselte einmal komplett durch – ein taktischer Kniff, der in Fachkreisen auch als „Jetzt wird’s lustig“ bekannt ist. Mit dabei: Hentrich und Schufft. Was dann folgte, war eine Mischung aus Lehrstunde, Zaubershow und leichter Übertreibung. Hentrich blockte zunächst lässig einen Ball und leitete ihn direkt weiter an Kugelblitz Gutsch, der zur allgemeinen Verwunderung direkt verwandelte. Kurz darauf stahl Schufft den Ball, spielte einen No-Look-Pass auf Trültzsch, der sich nicht lumpen ließ und einnetzte. Die Zuschauer rieben sich die Augen, einige überprüften vorsichtshalber, ob sie noch in der richtigen Halle waren.

Der Höhepunkt: ein Pass von Hentrich, geschätzt mit etwa 140 km/h, direkt an den Kreis. Schufft fing das Ding, als würde er täglich mit solchen Geschwindigkeiten frühstücken, und vollendete elegant. Spätestens da war klar: Die drei Euro Eintritt mehr hatten sich amortisiert. Nachdem die beiden ihre Klasse eindrucksvoll demonstriert hatten, nahmen sie sich etwas zurück – vermutlich aus Rücksicht auf die Mitspieler. Diese nutzten die Gelegenheit: Tobias-Bizeps Jagla zog auf der Mitte die Fäden wie eine hochmotivierte Spinne und verteilte die Bälle mustergültig. Trotzdem ließ es sich Schufft nicht nehmen, noch zwei weitere Tore nach Zuspielen von Bauch-Bart-Mann-Vester und natürlich Hentrich nachzulegen. Halbzeitstand: 21:10.

Die Halbzeitansprache von Coach Schünemann war entsprechend unspektakulär: einfach weitermachen. Gesagt, getan. Die A-Jugend durfte erneut ran und setzte das muntere Torewerfen fort. In der 34. Minute kehrte Hentrich zurück, begleitet von Radke, der offenbar spontan beschloss, ein neues Kapitel seiner Karriere aufzuschlagen. Erst sicher vom Siebenmeterpunkt, dann mit sehenswerten Treffern vom Kreis – inspiriert, so munkelt man, von seinem großen Vorbild Schufft. Hentrich verteilte weiterhin Pässe mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks und krönte seine Leistung zusätzlich mit drei eigenen Treffern. Namen wie Krüger und Deutschmann werden an dieser Stelle vermutlich kurz innehalten und über ihre eigene Passqualität nachdenken. In den letzten Minuten durfte Schufft noch einmal ohne seinen kongenialen Partner ran – Hentrich hatte sich eine wohlverdiente Pause verdient. Und wie beginnt ein Schufft seine Einsatzzeit? Natürlich mit Toren. Auch wenn das Spiel gegen Ende etwas fahriger wurde, setzte er mit dem Schlusspfiff den Schlusspunkt zum 47:15-Endstand. Ein Ergebnis, das keine Fragen offenließ – außer vielleicht, ob die Toranzeige genug Ziffern hatte.

Fazit: Es war eine Saison mit klarer Zielsetzung: Integration der A-Jugend und mehr Konstanz. Die Integration ist definitiv gelungen, die jungen Spieler haben sich stark präsentiert und sind ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft geworden. An der Konstanz gibt es noch Arbeit, aber der fünfte Tabellenplatz ist ein solides Ergebnis. Besonders positiv bleiben der Teamgeist und die Entwicklung innerhalb der Mannschaft. Ein großer Dank geht an Germania Tangerhütte für das faire Spiel und den gemeinsamen Ausklang bei Pizza und Bier, ebenso an den Schiedsrichter für seinen unermüdlichen Einsatz sowie an alle Helfer, die diesen Spieltag möglich gemacht haben.

#EinTEAM #BatterieFEUER!!

Nach oben scrollen